Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege

Gerhard TimmDie Verbände der Freien Wohlfahrtspflege haben im Jahr 2004 mit der Entwicklung einer gemeinsamen Qualitätspolitik begonnen. Sie sichern durch Qualitätsmanage-ment die Werteorientierung und Transparenz ihrer sozialen Dienstleistungserbrin-gung und die ständige, beteiligungsorientierte Weiterentwicklung ihrer Angebote. Soziale Arbeit kann ohne Bezug auf Grundwerte und ohne die Beteiligung der Ratsuchenden, Nutzerinnen und Nutzern als Koproduzenten nicht wirksam geleistet werden. Die Wohlfahrtsverbände geben mit ihrer Qualitätspolitik ein „Qualitätsversprechen“ ab: Dieses lösen sie ein, indem sie eine hohe Ergebnisqualität liefern, die durch integrierte Management-Konzepte, Qualitätsziele, selbstgesetzte Qualitätskriterien und -indikatoren und die Überprüfung ihrer Leistungen durch unabhängige Dritte sichergestellt wird. Im Rahmen der Dienstleistungserbringung analysieren sie auch die Möglichkeiten und Grenzen sozialen Handelns und beschreiben Verbesserungsbedarfe auf. Auf diese Weise wirken sie als Mitgestalter unserer Gesellschaft und ihrer rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen. Die Wohlfahrtsverbände verstehen sich als Gemeinwohlagenturen, deren Entwicklungsfähigkeit dem Tempo gesellschaftlicher Wandlungsprozesse immer voraus sein muss.

Das Qualitätsverständnis der Verbände der Freien Wohlfahrtspflege geht von einem Qualitätsbegriff aus, der von den am Hilfe- oder Dienstleistungsprozess Beteiligten jeweils inhaltlich zu füllen ist. Vor dem Hintergrund ihrer Orientierung an den Werten der Teilhabe, der Selbstbestimmung und einer gerechten und solidarischen Gesellschaft ist die Qualität in der Sozialen Arbeit immer abhängig vom Gelingen guter Aushandlungsprozesse zwischen Nutzer/innen, Kostenträgern, Mitbeteiligten und der Gemeinschaft . Die Wohlfahrtsverbände sprechen dabei vom Ausgleich der Interessensträger oder –gruppen. Ihrer Arbeit liegen die Nutzenmaximierung im Sinne der am Aushandlungsprozess Beteiligten und die Stärkung der Selbsthilfekräfte der Ratsuchenden, Klienten und Kunden sowie der Sozialräume und sozialer Gemeinschaften zu Grunde. In ihrer Anwaltsrolle orientiert sich die Freie Wohlfahrtspflege am Ideal der inklusiven Gesellschaft, in die alle einbezogen werden und niemand ausgegrenzt wird.

Die Freie Wohlfahrtspflege widmet sich unter anderem Aufgaben wie der Bildung, der Gesundheitsförderung oder auch der Rehabilitation. Diese Leistungen werden in den verschiedensten Einrichtungen und Diensten sowie in Projekten in Zusammenarbeit von hauptberuflichen Mitarbeitenden und ehrenamtlich und freiwillig Engagierten erbracht. Die Leistungen zeichnen sich durch ihre jeweilige Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität aus. Neben der individuellen Bedeutung für die jeweiligen Klienten, Kunden oder Nutzer, wirken die Leistungen in die Gesellschaft hinein. Sie ermöglichen allen Bürger(inne)n – insbesondere auch behinderten Menschen oder benachteiligten Personen – am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Damit wollen wir unseren Beitrag zu Integration, Inklusion und Teilhabe leisten.

Die Wohlfahrtspflege sieht Qualität nicht nur begrenzt auf die (Dienst-)Leistungen an sich, sondern verfolgt den Ansatz, dass sie durch ihre Leistungen und Angebote einen lebendigen Sozialstaat mitgestaltet. Damit leistet sie einen Beitrag zum sozialen Frieden und zur gesellschaftlichen Stabilität. So trägt die Freie Wohlfahrtspflege wesentlich zur Lebensqualität in Deutschland bei und stärkt unter anderem auch den Wirtschaftsstandort Deutschland.

Die Verbände der freien Wohlfahrtspflege verbindet die Vision der Lebensqualität für Alle. Ihre gemeinsame Qualitätspolitik dient der Umsetzung dieser Vision. Angesichts der Globalisierung der sozialen Frage und der grenzüberschreitenden Verflechtung ökologischer, wirtschaftlicher und sozialer Problemlagen fördern die Wohlfahrtsverbände durch ihre Leistungen und Angebote die Solidarisierung und Netzwerkbildung der Zivilgesellschaft auch über Deutschland hinaus.

Dr. Gerhard Timm
Geschäftsführer, Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege e.V. (BAGFW)