Hermes Europe GmbH

Geht es um Qualität, sind die Ansprüche an Waren und Dienstleistungen „Made in Germany“ traditionell hoch – und das weltweit. Was einst als Signum für den vermeintlichen Makel gedacht war, hat sich in den vergangenen 100 Jahren zu einem Zeichen für herausragende Qualität entwickelt. Wer also für die Zukunft planen will, ist gut beraten, auch in die Historie zu blicken und zu prüfen, welche Qualitäten diese Entwicklung ermöglicht haben und weiterhin sichern.

So war die deutsche Industrie den internationalen Wettbewerbern in Fragen der Produktivität, des Designs sowie der Produktqualität und sprichwörtlichen Langlebigkeit stets voraus. Um diesen Vorsprung auch  perspektivisch zu halten, bedarf es konsequenter Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie der Ausbildung von Fach- und Führungskräften. Denn wer über eine ausreichende Zahl an kreativen Talenten,  unternehmerischen Visionen und technischen Vordenkern verfügt, kann schon an der Entwicklung von morgen feilen, während anderswo noch alte Produkte in Lizenz zusammengeschraubt werden. Entsprechend sind Innovationskultur und Qualitätsversprechen zwei Seiten jener Medaille, die international als „Made in Germany“ zu Recht höchstes Renommee und – dank unabhängiger Qualitätssiegel – größtes Vertrauen beim Kunden genießt. Die Herausforderung aber besteht darin, diesen hohen Leistungsstand der deutschen Wirtschaft mit ihrer blühenden Landschaft mittelständisch agierender Unternehmen zu erhalten. Fraglich etwa ist, ob es uns in Zukunft in ausreichendem Maße gelingen wird, an den Universitäten und Fachhochschulen entwickelte Ideen auch in vermarktbare Produkte umzusetzen – nicht selten werden hierzulande Durchbruchsinnovationen kreiert, die anderswo zu wirtschaftlicher Blüte reifen. Allerdings bescheinigt uns die OECD seit Jahren, dass die deutschen Bildungsausgaben weit hinter denen anderer führender Industrienationen zurückbleiben. Werden wir so auch in zehn oder zwanzig Jahren unserem Anspruch gerecht, die besten Köpfe auszubilden und im Land zu halten?

Die Qualität eines Produkts oder einer Dienstleistung wird in Zukunft aber nicht nur nach seiner äußeren Qualität bemessen werden, sondern zunehmend nach seiner inneren. Wie zuletzt die Trendstudie „Fairer Konsum“ der Otto Group belegt hat verlangen die Verbraucher in Zukunft nicht nur nach funktionstüchtiger Ware, sondern wollen, dass sie nach objektiven ökologischen und sozialen Gesichtspunkten hergestellt wird. Und im fairen und nachhaltigen Wirtschaften wird zukünftig ein entscheidendes Qualitätsmerkmal liegen. Denn auch im wachsenden internationalen Wettbewerb dürfen soziale Standards und unternehmerische Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft nicht unterminiert werden.

Doch daraus ergibt sich eine große Chance für das deutsche Wirtschaftssystem und unsere Unternehmen, sich mit neuen QUALITÄTSMASSSTÄBEN auch weiterhin vom Wettbewerb abzuheben. Denn egal ob Mitbestimmung, Tarifautonomie, sozialer Frieden oder aber eben der schonende Umgang mit Ressourcen – mit der Rückbesinnung auf die Soziale Marktwirtschaft und ihre Qualitäten lässt sich verlässlich und erfolgreich arbeiten sowie exportieren. Gelingt es uns also, Qualität und Nachhaltigkeit als Schlüsselfaktoren deutscher Produktion zu etablieren, Zukunftsindustrien zu fördern, sie durch die Ausbildung der notwendigen Talente weiterzuentwickeln und damit Standards zu setzen, wird uns die QUALITÄT als Differenzierungsmerkmal auch in Zukunft sicher sein.

Hanjo Schneider
Konzern-Vorstand Services Otto Group, Mitglied des CR-Boards (Nachhaltigkeitsbeirat) und CEO, Hermes Europe GmbH