Sieben Leitthesen für Qualität

1. Qualität trägt – auch in Zeiten des Umbruchs

Qualität ist ein Faktor, der für Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten Sicherheit und Vertrauen schafft. Das haben die großen Krisen und Umbrüche der jüngsten Vergangenheit gezeigt.

Unternehmen und Organisationen, die Qualität als Leitprinzip in ihrer DNA verankern, sind langfristig erfolgreicher. Genauso wird eine Volkswirtschaft, deren Akteure diesem Leitprinzip folgen, langfristig erfolgreicher sein.

Qualität ist und bleibt hierzulande und in der Welt ein wesentliches Differenzierungsmerkmal – für uns Deutsche als Individuen, für Organisationen und für die deutsche Wirtschaft insgesamt. Qualität ist ein unverzichtbarer Erfolgsfaktor für Deutschland, damit es auch zukünftig eine führende und von Wertschätzung geprägte Stellung in der Welt einnimmt.

2. Qualitätsorientierung eint die deutsche Wirtschaft

Zu den Grundtugenden und Werten der deutschen Wirtschaft zählen Fleiß und Leistungsbereitschaft, Verbindlichkeit, Zuverlässigkeit und Gewissenhaftigkeit. Handwerk, Mittelstand, Familienunternehmen und unsere Konzerne sind durch Achtung dieser traditionellen Tugenden erfolgreich geworden. Qualitätsorientierung eint diese Unternehmen. Ihre Vielfalt verkörpert „Made in Germany“.

Was uns stark gemacht hat, dürfen wir nicht vernachlässigen. Aber wir müssen uns dynamischer weiterentwickeln, um zukunftsfähig zu bleiben. Der Schlüssel zum langfristigen Erfolg durch Qualität besteht in einer gesunden Mischung aus traditionellen Tugenden und denen des 21. Jahrhunderts: Geschwindigkeit, Vernetzung, Kommunikationsfähigkeit und interkulturelle Kompetenz.

Dazu gehört auch, dass wir unsere Leidenschaft für Perfektion erhalten. Der Anspruch, der Beste sein zu wollen, muss auf vielen Ebenen wiederbelebt werden. Zu viel von dem, was früher hart erarbeitet wurde, wird heute als gegeben hingenommen. Kontinuierlich verbessern wollen, ständig innovativ sein und jederzeit flexibel und schnell auf Veränderungen reagieren: Wir müssen hungrig bleiben und diesen Hunger an die kommenden Generationen weitergeben.

3. „Qualität Made in Germany“: die Weltmarke weiterdenken

„Made in Germany“ symbolisiert das große Vertrauen von Menschen weltweit in Konsum- und Investitionsgüter aus deutscher Herstellung. Wir können noch immer auf die emotionale und differenzierende Kraft dieses weltweit geschätzten Labels bauen. Es verkörpert und setzt höchste Qualitätsstandards im globalen Wettbewerb: „Made in Germany“ ist eine Weltmarke, deren Strahlkraft wir erhalten müssen.

Neben der Qualität industrieller Produkte muss „Qualität Made in Germany“ künftig auch für Dienstleistungen, Wissensproduktion und Lösungskompetenz stehen. Wir müssen verdeutlichen, dass die Deutschen die sind, die Probleme optimal lösen können. Die eigentliche Stärke von „Made in Germany“ liegt längst nicht mehr nur in der Produktion und Endmontage. Der Ort der Herstellung verliert an Bedeutung. Das „Made in Germany“ der Zukunft sollte daher vor allem dafür stehen, dass in global tätigen Unternehmen und Produktionszusammenhängen die Gesamtverantwortung für die Wertschöpfungs- und Produktionsketten von deutschem Qualitätsdenken geprägt ist. Dies erfordert den Transfer von Know-how und Standards sowie die Ausbildung von Fachkräften in weniger entwickelten Ländern und Regionen und sorgt weltweit für steigenden Wohlstand.

4. Qualität hat Geschwister bekommen

Die deutsche Wirtschaft wird erheblich profitieren, wenn es gelingt, unser Qualitätsverständnis zu erweitern. Dazu gehört, dass wir uns noch stärker dem Wissen und seiner Dynamik verpflichten. Noch sind wir zu sehr „Industriegesellschaft“ auf allen Ebenen. Doch es geht Kunden und Geschäftspartnern längst nicht mehr nur um technische Produktqualität und Prozessqualität. Qualität entfaltet nur dann ihre ganze Kraft, wenn sie einhergeht mit echter Innovation, die darauf abzielt, den Kundennutzen spürbar zu steigern. Hinzugekommen sind weitere qualitätstreibende Handlungsfelder wie Schnelligkeit, Kundenorientierung, Nachhaltigkeit und Umweltschutzstandards entlang der Wertschöpfungskette und ihre Überprüfbarkeit und Transparenz. Qualität muss das Handeln der Gesamtorganisation umfassen.

5. Qualität ist strategisches Managementthema

Qualität wird als Stellschraube für den Erfolg von Unternehmen und Organisationen immer wichtiger. Dazu muss Qualität als strategisches Querschnittsthema etab-liert und methodisch sauber implementiert, gesteuert und von der Führungsebene vorgelebt werden. Nur dann kann eine gewinnbringende Qualitätskultur entstehen. Qualität ist Chefsache und gehört als ständige Priorität auf die Agenda der Unternehmenslenker.

Qualität findet vor allem in den Köpfen der Mitarbeiter statt. Jeder Einzelne sollte für den Erfolg des Unternehmens und für die Qualität seiner Produkte und Dienstleistungen begeistert werden. Deshalb gehört zur Managementaufgabe auch, eine an Qualität ausgerichtete Unternehmenskultur zu etablieren. Sie fördert die Bereitschaft, in innovative Produkte und Prozesse zu investieren. Sie zeichnet sich aus durch Kreativität in Strategie und Planung, Leidenschaft für die Lösung von Aufgaben und Präzision in der Ausführung.

Um solch ein ganzheitliches Qualitätsmanagement zu etablieren, muss sich der Berufsstand Qualitätsmanager emanzipieren und weiterentwickeln. Normen und Standards bilden eine der Grundlagen für Excellence und gehören zu den Kernaufgaben des Qualitätsmanagements. Darüber hinaus müssen Qualitätsmanager ihr Selbstverständnis und ihre Kompetenzfelder erweitern und sich in die Lage versetzen, über die Methodenkompetenz hinaus auch den Strategie- und den Kulturfaktor Qualität voranzutreiben. Damit wächst ihre Bedeutung im Unternehmen.

6. Qualität schafft nachhaltiges Wachstum und Lebensqualität

Das Streben nach Qualität, Substanz und Dauerhaftigkeit ist von jeher integraler Bestandteil deutscher Kultur. Um weiterhin Spitzenplätze zu belegen, müssen wir unsere Qualitätskultur pflegen und entwickeln – als Gesellschaft, als Unternehmen, als Individuen. Deswegen müssen wir einen dauerhaften Dialog über Qualität als Wert und Erfolgsfaktor etablieren.

Immer mehr Menschen stellen berechtigte kritische Fragen in Bezug auf die Art und Weise, wie Unternehmen und Organisationen agieren. Die Antworten auf diese Fragen leiten nicht nur die Wahrnehmung von Qualität, sondern auch Kauf- und Investitionsentscheidungen. Der Kunde ist mündig geworden, fordert eine Hinwendung zu nachhaltigem Fortschritt, Substanz und Transparenz.

Die Antwort darauf ist ein Qualitätsverständnis im Sinne einer Geisteshaltung. Qualitätsorientierung, die sich an Nachhaltigkeitszielen ausrichtet, macht die Welt lebenswerter. Sie ist ein Konzept, das für nachhaltige Renditen sorgt – ökonomisch, ökologisch und sozial.

Dieses neue Qualitätsverständnis braucht eine Basis in der Mitte der Gesellschaft. Wir müssen immer wieder deutlich machen, dass dem Guten nicht das Billigere folgen darf, sondern das Bessere. Eine derartige Qualitätspolitik kann helfen, ein neues Verständnis von Wachstum zu etablieren, bei dem nicht nur die Steigerung von Absatz, Umsatz und Rendite zählt, sondern auch der Zuwachs an Lebensqualität.

7. Qualität braucht Politik und Bildung

Eine weitsichtige qualitätsfördernde Politik entwickelt den gesellschaftlichen Rahmen, in dem sich qualitätsorientierte Unternehmen dynamisch entwickeln können. Dazu gehören im Kern: moderne Infrastruktur, funktionierende Verwaltung, innovationsorientierte Förderung von Wissenschaft und Forschung sowie soziale Stabilität und ein intakter Schutz geistigen Eigentums.

Ein entscheidendes Handlungsfeld bleibt dabei die Bildungspolitik. Erst sie schafft die Grundlagen für Qualität. Um unseren Qualitätsstandort zu stärken, brauchen wir vor allem hervorragend ausgebildete junge Menschen. Wir dürfen aus diesem Grund nicht nachlassen im Streben danach, unsere Schulen und Hochschulen auf internationales Spitzenniveau zu bringen, ohne aber das betriebliche Ausbildungswesen zu vernachlässigen, um das man uns überall auf der Welt beneidet.

Deutschland verfügt über ein weltweit einzigartiges System der beruflichen Aus- und Weiterbildung, das neben herausragenden Akademikern und Ingenieuren auch exzellente Fachkräfte hervorbringt. Diese Mehrgliedrigkeit und Breite unseres Bildungssystems brauchen wir auch zukünftig. Qualität in Handwerk, Mittelstand und Konzernen lebt vom Wissen und Können unserer Fachkräfte.

Bildung, Forschung und Wirtschaft sollten sich in Deutschland zu einem effektiveren und effizienteren Gesamtsystem weiterentwickeln. Dann wird es wieder öfter gelingen, die in Deutschland herangereiften Ideen in Innovationen mit deutschem Qualitätsniveau umzusetzen, die unsere Volkswirtschaft nach vorn bringen.

Frankfurt am Main, im Mai 2012
Deutsche Gesellschaft für Qualität e. V.

Viele herausragende Gedanken aus den Beiträgen sind sinngemäß in die Leitthesen eingeflossen. Einige Aussagen standen stellvertretend für viele andere und waren so auf den Punkt formuliert, dass sie wortwörtlich oder minimal verändert in die Thesen eingeflossen sind.