Universität zu Lübeck

„Science made in Germany“, das ist das Ergebnis der im Grundgesetz verankerten Möglichkeit und Verpflichtung zur freien Forschung als öffentliche Aufgabe. Freie Forschung bezeichnet dabei die grundsätzliche Möglichkeit eines jeden Forschers, seine eigene Neugierde zu befriedigen und dadurch neue Erkenntnisse zu gewinnen. Gute Forschung folgt demnach einem klaren „Bottom-up“- Prinzip. Aus diesem Grundverständnis hat sich in den letzten 60 Jahren in der Breite und in der Tiefe eine Wissenschaftslandschaft entwickelt, für die uns alle Länder bewundern und um die sie uns beneiden.

Es obliegt den Universitäten, das nach wie vor sehr hohe Vertrauen der Bevölkerung in „Science made in Germany“ durch qualitätssichernde Maßnahmen in den nächsten Jahren zu festigen. Freiheit heißt auch Wettbewerb. Das Ringen um die Mittel durch die besten Ideen im Wettbewerb mit den Fachkollegen, das ist das entscheidende Erfolgskriterium.

Gelegentlich hört man aus der Politik den Gedanken „Wissenschaft dient der Wirtschaft“. Dies hört die Wirtschaft gern, sorgt sie doch mit ihren Produkten für Steuergelder, die die Wissenschaft finanzieren. Mag der Gedanke für die Produktion qualifizierter Nachwuchskräfte durch die Universitäten noch zu akzeptieren sein, ist er für die Wissenschaft zu kurz gesprungen. Pflege der Wissenschaft ist ein unschätzbar hohes Gut der öffentlichen Daseinsvorsorge. Dies gilt auch, wenn die meisten Erkenntnisse niemals in Produkten münden. Würde die Grundlagenwissenschaft beschnitten, wären Milliardenmärkte in der Biotechnologie oder der Medizintechnik niemals möglich geworden. Das Prinzip muss deshalb heißen: „Wissenschaft und Wirtschaft im Dialog auf Augenhöhe“. Zugegebenermaßen haben manche Universitäten Bedarf, die „gleiche Augenhöhe“, die in diesem Prinzip steckt, in den Blick zu nehmen.

Der langfristige Erfolg eines Unternehmens hängt von der Investition in die Forschung ab. Naturgemäß geht es dabei zunächst um die Verbesserung der eigenen Produkte. Langfristige Vision könnte sein, freiwillig Gewinnanteile als „Forschungs-Euro“ zweckgebunden für die Forschung, aber nicht für einzelne Projekte, an die öffentliche Hand zu übergeben. Universitäten und etablierte Forschungsförderorganisationen wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft würden die Verwendung nach etablierten Qualitätsmassstäben inklusive streng wettbewerblicher Begutachtungsregeln garantieren. Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft könnte für die Abwicklung eine maßgebliche Rolle spielen.

Nur diejenigen Universitäten werden erfolgreich sein, die Qualität sowohl in der Forschung als auch in der Lehre abliefern. Es ist Alltagshandeln, dass signifikante Anteile der Finanzmittel nach „Performance“-Kriterien vergeben werden. Langfristig ist es für Deutschland überlebenswichtig, in den Universitäten exzellenten Nachwuchs zu produzieren. Dies geht nur nach dem Prinzip der Vermittlung von „Wissen aus Wissenschaft“. Damit sind Forschung und Lehre untrennbar verbunden. Zeitgeistphänomene wie Fragmentierung von Studiengängen („Bachelor of Science for Something“) mögen zwar politisch gewollt sein, sind der Sache jedoch nicht dienlich. Ebenso wenig die Trennung von (preisgünstigen) Lehrprofessoren und (teuren) Forschungsprofessoren. Exzellenznachwuchs kann am besten produziert werden, wenn die Studenten ab dem ersten Semester beispielsweise durch Mentorenprogramme oder strukturierte Audits an die Methoden des wissenschaftlichen Arbeitens herangeführt werden und damit die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis von Anfang an verinnerlichen. Die dabei vermittelten Prinzipien werden auch für diejenigen unverzichtbar sein, die im späteren Berufsleben in der Wirtschaft tätig sind.

Professor Dr. med. Werner Solbach
Direktor, Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene, Universität zu Lübeck