Verein Deutscher Ingenieure e. V.

„Made ING Germany“ – so lautet eine einfache Formel für Qualität auf höchstem Niveau. Zwar ist der Erfolg der deutschen Wirtschaft nicht allein auf die Ingenieure zurückzuführen. Aber ohne „den Ingenieur“ wäre Deutschland nicht das, was es ist: eine der führenden Nationen der Welt. Ökonomisch, technologisch und gesellschaftlich.

Qualität – genauer gesagt Spitzenqualität – ist Deutschlands strategischer Standortvorteil. Qualität aus Sicht der Kunden ist bei deutschen Produkten heute geprägt durch technologische Innovationen und Zuverlässigkeit, bei deutschen Dienstleistungen durch innovative Leistungen zu jeweils angemessenen Preis-Leistungs-Verhältnissen. Um unsere Führungsposition zu halten, müssen wir auch in 20 Jahren noch in der Lage sein, Standards zu setzen und unseren Kunden überzeugendere Qualitäten bei Produkten und Dienstleistungen zu bieten als unsere globalen Wettbewerber.

Dazu allerdings müssen wir schon heute die richtigen Weichen in die richtige Richtung stellen.

An erster Stelle steht die Intensivierung der technischen Bildung und Ausbildung. Qualitativ wie quantitativ. In jeder Altersklasse. Schließlich ist Know-how der Rohstoff des Innovations- und Technologiestandorts Deutschland. Wissen ist unser eigentlicher „Bodenschatz“ und Erfindergeist ist die Triebfeder zur kontinuierlichen Entwicklung jener – vor allem qualitativ – wettbewerbsfähigen Angebote für den Weltmarkt, die unseren Wohlstand auch in Zukunft sichern sollen.

Aber: Ohne Köpfe kein Know-how. Zur Zeit fehlen leider in Deutschland über 65.000 Ingenieure – eine Mangelsituation, die sich dramatisch verschärfen wird, wenn ab 2020 die ersten geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand gehen. Dann droht uns allen ein demografischer Tsunami.

Deshalb müssen wir alles tun, um die älter werdenden Ingenieure kontinuierlich fortzubilden. Deshalb müssen wir besonders Frauen für technische Berufe begeistern. Und deshalb müssen wir schon im Kindergarten beginnen, bei unserem Nachwuchs das Interesse an Technik zu wecken. Einen wichtigen Meilenstein haben wir in den vergangenen Jahren erreicht: das Image des Ingenieurs in der Gesellschaft erheblich zu verbessern. Als ein weiteres Ziel hat der VDI für sich festgelegt, die Technik-Akzeptanz der deutschen Bevölkerung insgesamt nachhaltig zu erhöhen. Immerhin: Bereits jeder vierte Akademiker ist Ingenieur.

Außerdem gilt es, die weltweit einzigartige Know-how-Infrastruktur unseres Landes – diese Kombination aus einmaliger Breite an exzellenten Hochschulen und Forschungseinrichtungen sowie dem engen Schulterschluss mit der Industrie – zu bewahren und wenn möglich zu erweitern. Dies ist die Voraussetzung zur Erhaltung unserer Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit und damit unseres Wohlstands und unserer hohen Lebensqualität. Wir müssen unseren starken industriellen Kern erhalten: Unser verarbeitendes Gewerbe und der Mittelstand, geprägt durch unzählige „Hidden Champions“ mit ihren einzigartigen Produkten und Dienstleistungen, tragen – mit fast einem Viertel – mehr zur Bruttowertschöpfung bei als in vielen anderen Industrieländern. Auch die Institution des „Meisters“ in Industrie und Handwerk ist eine der stabilsten Qualitätssäulen unserer Wirtschaft.

Markantestes Merkmal für höchste Qualität ist der Einsatz von Spitzentechnologie auf Grundlage des Expertenwissens. Entweder im Produkt selbst, im Prozess der Herstellung oder in beidem. Dies gilt auch analog für alle Dienstleistungen. Mit darauf fußenden Qualitätsstrategien haben deutsche Unternehmen seit Langem in wichtigen Schlüsselmärkten die Nase vorn: German Engineering, gepaart mit herausragender Entwicklung innovativer Produkte und Dienstleistungen auf hohem Qualitätsniveau, ist Garant dieses Erfolgs.

Gerade in diesen und vielen anderen Segmenten hat der Qualitätsstandort Deutschland seine größten Chancen. Nämlich die Gelegenheit, seine Pole Position nicht nur zu verteidigen, sondern konsequent zu nutzen und den Vorsprung weiter auszubauen, in den kommenden beiden Dekaden – aber auch weit darüber hinaus.

Dr.-Ing. Willi Fuchs
Direktor, Verein Deutscher Ingenieure e. V.