Wolfgang Schlenzig

Ich bin sehr froh, dass die DGQ eine Initiative ergriffen hat, die das wirtschaftliche Establishment Deutschlands, die Politik, die Verbände und die Vereine bittet, ihren Standpunkt zur Qualität aufzuschreiben. Nicht nur zur Qualität der Produkte und Leistungen, sondern auch des Denkens und Handelns.

Denn das, was der Begriff „Qualität“ beinhaltet, bleibt über die Zeit nicht so, wie es mal war. Qualität wandelt sich, kann verwischen, verwässern, einen anderen Focus erhalten. Deshalb ist es wichtig, sich dessen von Zeit zu Zeit zu vergewissern.

Schon in der Einleitung wird darauf hingewiesen, dass die zu Wort kommenden Manager oft unter globalen Zwängen stehen und ihre Qualitäts-Beteuerungen kritisch gesehen werden müssen. Ja, die deutsche Wirtschaft darf sich nicht auf den Erfolgen der Vergangenheit ausruhen. Sie darf aber die Tugenden, die zu den Erfolgen der Vergangenheit führten, nicht dem globalen Mainstream opfern. Denn der ist geprägt durch Schnelligkeit und Hektik; durch ein “unbedingt so schnell es geht Neuigkeiten bieten“, was oft keine Innovationen oder Besseres hervorbringt, sondern eben nur Anderes als vorher. Dieser Mainstream ist auch charakterisiert durch unbedingte Kostenreduktion, was häufig dazu führt, das Sachverstand verloren geht und Prozesse unzulässig verkürzt werden. Beispiele für ein derartiges Handeln sind aktuell der Airbus A 380, die Deutsche Bahn und der Flughafen Berlin Brandenburg – um nur die größten Ausreißer zu nennen.

Deutsche Stärken waren immer Sorgfalt, Gründlichkeit, Achtsamkeit, Exaktheit, Sachverstand und auch Handlungsdisziplin. Doch mehr und mehr fehlt die Zeit dafür, immer häufiger gucken die Chefs zu sehr auf die Aktienkurse, oft gilt morgen nicht mehr, was heute gesagt wurde. Diese Tugenden bleiben aus meiner Sicht immer mehr auf der Strecke. Das sind die Hauptgründe, warum andere Regionen und Länder an uns herankommen und mit uns konkurrieren können. Es wäre gut, wenn die deutsche Wirtschaft ihre Gewinne wieder stärker in ihre eigenen Unternehmen investiert, in Zeit, Sachverstand und Löhne – besser, als in Erwartung höherer Erlöse der Finanzspekulation zu frönen.

Für Qualität in und für Deutschland, für langfristige Konkurrenzfähigkeit von Industriegütern und auch Dienstleistungen gibt es immer noch ausreichend Entwicklungspotenziale, die uns weiterhin das Bewusstsein unserer Stärke geben sollten und auch können.